Über das FESTIVAL

BLAUES RAUSCHEN 2026 – Resonanz im Offenen zwischen Atem und Algorithmus

Seit seinen Anfängen versteht sich BLAUES RAUSCHEN als ein Festival, das Prozesse sichtbar macht. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die sich aus dem Zusammenspiel von Klang, Technologie, Gesellschaft und Raum ergeben. Wie verändert sich künstlerische Praxis unter digitalen Bedingungen? Welche Rolle spielen Körper, Materialität und Improvisation in zunehmend algorithmisch geprägten Systemen? Und wie lassen sich lokale Kontexte mit internationalen Perspektiven verbinden?

BLAUES RAUSCHEN 2026 knüpft daran an und führt diese Fragestellungen weiter. Die unmittelbare klangliche Praxis rückt stärker in den Vordergrund. Arbeiten aus Körper, Stimme, Instrument und kollaborativen Situationen treffen auf akustische und elektronische Verfahren. Unterschiedliche künstlerische Ansätze und Arbeitsweisen stehen nebeneinander, ohne nivelliert zu werden.

Das Festival findet im Ruhrgebiet in Bochum, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Kaarst, Duisburg und Mülheim statt. Die Einbindung verschiedener Festivalorte im Ruhrgebiet ist dabei ein wichtiges Zeichen für den anhaltenden Willen zu einer überregionalen Kulturpolitik.

BLAUES RAUSCHEN hat sich in den vergangenen Jahren als Ort des Austauschs etabliert, zwischen Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie zwischen Disziplinen, Institutionen und Publikum. Workshops, Gespräche und kollaborative Formate waren dabei ein fester Bestandteil des Programms. Diese Ausrichtung setzt sich 2026 in einem Lecture Talk mit dem Titel „Chemical Calls of Care“ zu den materiellen und chemischen Prozessen der Klangentstehung fort. Der international ausgeschriebene Workshop, der in den vergangenen Jahren eng mit dem Festival verbunden war und einen zentralen Bestandteil des Programms bildete, kann 2026 vor dem Hintergrund einer insgesamt angespannten kulturpolitischen Fördersituation, von der derzeit viele freie und experimentelle Kulturformate betroffen sind, leider nicht realisiert werden.

Gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen sind von Polarisierung und Verengung geprägt. BLAUES RAUSCHEN setzt dem einen Raum entgegen, in dem Differenzen bestehen bleiben dürfen und Wahrnehmung nicht sofort in Zustimmung oder Ablehnung mündet.

BLAUES RAUSCHEN bleibt dabei bewusst offen. Für Reibung und Widerspruch, für Unschärfen und Zwischenräume. Nicht alles erklärt sich sofort. Klang wird nicht als abgeschlossenes Produkt verstanden, sondern als Prozess.

BLAUES RAUSCHEN 2026 lädt dazu ein, aufmerksam zu hören, gewohnte Kategorien zu hinterfragen und sich auf unterschiedliche Formen zeitgenössischer Klangkunst einzulassen.

Karl-Heinz Blomann
Künstlerischer Leiter